Die "Big Five" Print E-mail
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In seinem Bestseller Regel Nummer 1 stellt Autor Phil Town unerfahrenen Anlegern wichtige Prinzipien des Value Investing vor. Dabei setzt er vor allem auf das Rahmenwerk der sogenannten "Big Five", also fünf Kennzahlen, die seiner Meinung nach für die Identifikation unterbewerteter Aktien zentral sind:

  • Eigenkapitalrendite
  • Umsatzwachstum
  • Gewinnwachstum 
  • Eigenkapitalwachstum
  • Wachstum des Free Cash Flow

Bei allen Kennzahlen handelt es sich um Prozentwerte, die idealerweise über 10% liegen sollten. Phil Town schlägt vor, die Wert für die Zeiträume von 1 Jahr, 3 Jahren, 5 Jahren und 10 Jahren zu betrachten und jeweils den durchschnittlichen jährlichen Wert zu berechnen. Nachhaltig positive oder negative Entwicklungen lassen sich so im Überblick schnell identifizieren - wenn beispielsweise das durchschnittliche jährliche Gewinnwachstum in den letzten 10 Jahren bei 16% lag, in den letzten 3 Jahren aber nur bei 7%, deutet diese Verlangsamung das auf mögliche Probleme in der Zukunft hin.

Überzeugt ein Unternehmen in diesen fünf Kennzahlen, so berechnet man den maximalen Einstiegspreis für die Aktie sehr ähnlich einem typischen KGV-Vergleich: Man nimmt den letztjährigen Gewinn und schreibt diesen anhand einer geschätzten Wachstumsrate in die Zukunft fort. Hierzu nimmt man entweder die aktuell von Analysten durchschnittlich geschätzte Gewinnwachstumsrate oder die oben erwähnte durchschnittliche Eigenkapitalwachstumsrate über einen möglichst langen Zeitraum - zur Sicherheit entscheidet man sich für die Rate, die niedriger ist.

Man schreibt nun den Gewinn 10 Jahre in die Zukunft fort und multipliziert das Ergebnis mit dem historischen KGV - dieses lässt sich zum Beispiel auf MSN Money herausfinden. Die Schätzung des zukünftigen Kurses rechnet man nun auf einen heute fairen Kurs zurück. (Ganz grob reicht hier die Division durch 4.) Diese Methode entspricht in etwa der Multiplikation des heutigen Gewinns mit dem historischen KGV, berücksichtigt dabei aber langfristige Wachstumsraten - ein einzelnes schlechtes Jahr beispielsweise wird somit "ausgeblendet".

Der nach dieser Berechnung heute faire Kurs - Phil Town nennt ihn "Sticker Price" - wird nun noch halbiert. Hintergedanke ist die Sicherheitsmarge oder "Margin of Safety", die Value-Investoren davor bewahrt, bei falschen Annahmen (in diesem Fall zu optimistischen Wachstumsraten) zu viel Geld zu riskieren.

Ein kurzes Beispiel:

Gewinn pro Aktie Vorjahr
 2,50 Euro
Analystenschätzung Wachstumsrate
 13%
Langfristiges Eigenkapitalwachstum
 11%
Gewinnschätzung:2,50 * (1+11%)^107,10 Euro
Historisches KGV
 15
Kursschätzung 10 Jahre:
7,10 * 15
106,48 Euro
Heutiger "Sticker Price"
106,48 / 4 26,62 Euro
Berücksichtigung der Sicherheitsmarge
26,62 / 2
13,31 Euro

In diesem Fall wäre also ein heute "fairer" Preis für die Aktie zwischen 26 und 27 Euro. Als Value-Investor sollte man allerdings erst bei einer deutlichen Unterbewertung zugreifen, also im Bereich von unter 14 Euro.