Schulden und Liquidität Drucken E-Mail

Für Privatpersonen sind Schulden in aller Regel negativ besetzt. Für Unternehmen hingegen gehören Schulden zum Alltag: Kapital wird aufgenommen, investiert und ermöglicht (hoffentlich) noch höhere Erträge, als wenn man auf Schulden verzichtet hätte. Offensichtlich dürfen jedoch die Schulden ein gesundes Ausmaß nicht überschreiten, damit der Unternehmenserfolg nicht beeinträchtigt wird: Liquidität ist das Stichwort. Aus der Bilanz eines Unternehmens lassen sich einige Kennzahlen errechnen, die eine Einschätzung zur Liquiditätssituation des Unternehmens erlauben.

Liquidität 3. Grades (auch "current ratio"):
Die Liquidität 3. Grades berechnet sich aus dem Umlaufvermögen geteilt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ein Verhältnis von 1 bedeutet, dass alle kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das direkt verfügbare Umlaufvermögen gedeckt werden könnten. In der Regel wird ein Verhältnis zwischen 1 und 2 als gesund betrachtet. Ein Verhältnis von kleiner als 1 deutet auf Liquiditätsprobleme hin; ein Verhältnis größer als 2 hingegen signalisiert, dass das Unternehmen zu viel Bargeld oder zu viele Vorräte ungenutzt lässt.

Liquidität 2. Grades (auch "quick ratio"):
Nachteil der Liquidität 3. Grades ist der Umstand, dass auch Sachmittel in die Berechnung einbezogen werden. Tatsächlich kann aber nicht jeder Gegenstand von heute auf morgen zu Geld gemacht werden, oder wenn, nicht unbedingt zum bilanzierten Wert. Bei der Liquidität 2. Grades werden Sachmittel dementsprechend komplett ausgeblendet; stattdessen werden die verfügbaren Geldmittel und die ausstehenden kurzfristigen Forderungen addiert und durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten geteilt. Wiederum ist ein Verhältnis von unter 1 ein Indikator für Probleme.

Eigenkapitalquote (auch "equity ratio"):
Die Eigenkapitalquote gibt an, wie viel des Unternehmensvermögens durch Eigenkapital gedeckt ist. Zur Berechnung wird einfach die Summe des Eigenkapitals durch die Bilanzsumme geteilt. Was ein gutes Ergebnis ist, hängt stark von der Branche, der Unternehmensgröße und der Region ab. Deutsche Mittelständler beispielsweise haben im internationalen Vergleich eine sehr niedrige EK-Quote; selbiges gilt beispielsweise für Banke, bei denen eine niedrige EK-Quote in der Natur des Geschäfts liegt. Generell lässt sich sagen, dass ein Wert von über 40% in Deutschland als solide gelten kann. Dabei sollte jedoch die Entwicklung der EK-Quote über die letzten Jahre betrachtet werden - ist sie kontinuierlich gesunken, könnte dies ein Warnsignal sein; ist sie gestiegen, deutet dies auf anhaltenden unternehmerischen Erfolg hin.

Dynamischer Verschuldungsgrad (auch "dynamic debt-equity ratio"):
Der dynamische Verschuldungsgrad gibt an, in wie vielen Jahren ein Unternehmen seine Schulden abbezahlen könnte, wenn der aktuelle Cash Flow gleich bliebe und keine Schulden hinzukämen. Man berechnet ihn, indem man das Fremdkapital durch den Cash Flow teilt. Das Ergebnis ist direkt die theoretische Anzahl an Jahren - je geringer, desto besser. Oft wird der Dynamische Verschuldungsgrad auch in Prozent angegeben. Dann stehen 100% für 1 Jahr.